Shabby Chic

Shabby oder nicht Shabby?

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Sollte ich mein Möbelstück anmalen?

Sollte ich mein Möbelstück anmalen oder zerstöre ich damit etwas?

Du hast etwas geerbt, auf dem Dachboden wiederentdeckt oder du warst bei Ebay erfolgreich und möchtest das neue Stück im Shabby Stil gestalten.

STOP!

Kannst du dein Möbelstück anmalen oder zerstörst du damit womöglich eine Antiquität?

Ich bin oft auf Facebook unterwegs und sehe mir die Neuigkeiten in Gruppen an, in denen ich Mitglied bin.

Dabei fällt mir immer öfter auf, dass in den Shabby Chic Gruppen nahezu alles ein Makeover bekommt.

In den Gruppen für Antik Liebhaber spricht man eher in einem abfälligen Ton über den Shabby Chic Trend.

Geschmackssache, sagte der Frosch und biss in die Kernseife.

ABER...

...auf einige Dinge solltest du dennoch achten. Keine Angst, dafür muss man kein Experte sein!

 

Tipp 1

Versuch das Alter des Möbelstücks herauszufinden und orientier dich dabei an den epochentypischen Merkmalen.

Hilfe findest du dabei im Internet, Büchern und Facebookgruppen.

Findest du heraus, dass dein Schätzchen über 100 Jahre alt ist, siehst du es vielleicht mit anderen Augen.

 

Tipp 2

Sieh dir genau die Verarbeitungsqualität an. Dabei geben schon offensichtliche Sachen Hinweise.

Hat mein Möbelstück Klavierbändern an den Türen oder sitzen diese auf Zapfenbändern?

Denk daran, dass Furnier nicht mit „billig“ gleichzusetzen ist.

Hat dein Möbelstück Schwalbenschwanzverbindungen an den Schubladen oder laufen diese sogar auf Plastikschienen?

Denk immer daran, dass jemand vielleicht vor langer Zeit sich viel Mühe mit dem Design gegeben hat.

 

Tipp 3

Ganz simple: wie ist der Zustand? Hast du die Zeit und die finanziellen Mittel eine eventuelle Restaurierung durchzuführen? Vielleicht ist dann ein neues Shabby Kleid genau das Richtige um dein Möbelstück zu retten.

Das Positive an Kreidefarbe ist, dass man sie auch wieder entfernen kann, falls man es sich irgendwann einmal anders überlegt.

 

Tipp 4

Welchen monetären aber auch emotionalen Wert hat dein Möbelstück? Du hast ein Möbelstück von Tante Susi geerbt, die du sehr geliebt hast. Aber Eiche Rustikal passt absolut nicht bei dir zu Hause rein. Da kannst du ruhigen Gewissens den Pinsel schwingen. Hat dir Tante Susi ein Biedermeier Nähtisch in wildem Eschefurnier hinterlassen, solltest du dir zweimal überlegen, ob du dich nicht doch an Esche gewöhnen könntest. Natürlich liegt die letze Entscheidung bei dir. Aber man sollte seine Optionen kennen und wissen das der Nähtisch im Originalzustand immer ein Notgroschen ist. 

 

Unser Beispiel

Am Einfachsten lässt sich die Krux an der Sache an einem Beispiel zeigen.

Wir stellen uns nämlich auch jedes Mal die Frage, ob wir etwas überarbeiten oder im Originalzustand lassen.

 

Kommode "Konstantin"
Kommode "Karo"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie haben wir entschieden was gemacht wird?

Die beiden Bilder zeigen zwei sehr ähnliche Kommoden. Eine davon bekam ein neues Leben im Shabby Kleid. Die andere durfte so bleiben wie sie war.

1.Stilermittlung:

Beide Kommoden sind dem Spätbiedermeier zuzuordnen. Das erkennt man an der Form. Siehe, die runden Füße, gerade Linien, wenig Schnörkel.Also haben wir hier zwei Kommoden die beide um die 160 Jahre alt sind.

2.Verarbeitung:

Karo und Konstantin sind zwar aus der gleichen Zeit aber Karo ist ein Twingo und Konstantin ein Porsche.

Karo ist nämlich eine Weichholzkommode aus Fichte. Das bedeutet auch im Biedermeier war sie kein Luxusgegenstand.

Konstantin ist natürlich auch aus Weichholz konstruiert aber er wurde mit edlem Mahagoni furniert und von Hand mit Schellack poliert.

Der Irrglaube, dass furnierte Möbel schlechter sind als Massivholzmöbel trifft auf Antiquitäten nicht zu

3.Zustand:

Karo und Konstantin kamen in unterschiedlichen gesundheitlichen Verfassungen in unser Geschäft.Karo war leider Opfer einer Bierlacklasur geworden. Bierlack ist der absolute Horror. Abgesehen davon, dass er ein teures Furnier nur imitiert und wirklich selten gut aussieht ist die Entfernung von Bierlacklasur eine Heidenarbeit.Konstantin hingegen war in einem Tip Top Zustand. Außer ein paar neuer Beschläge und einer gründlichen Reinigung gab es so gut wie nicht zu tun.

4.Wert:

Kommode wie Karo werden zwar schon lange nicht mehr so gebaut aber wirklich selten sind sie von ihrer Form her nicht – gerade in Weichholz, also ohne Furnier.

Die Kommode Konstantin hingegen kann man wegen der Zuordnung zum Wiener Barock und dem seltenen Mahagoni Furnier als eine kleine Rarität betrachten.

 

Fazit:

Konstantin in seinem schellackpoliertem Mahagonikleid ist absolut erhaltenswert, wie er da steht.

Das gespiegelte Sägefurnier ist eine Augenweide.

Karo ließ sich aus Kostengründen nicht mehr wirtschaftlich in den Originalzustand zaubern. Aber zum Glück steht ihr der blaue Kreidefarbenlook hervorragend. Durch die von Bierlasur freigelegte Platte geht ihr Charakter nicht verloren.

Es lohnt sich auf jeden Fall, wenn du dich auch mit der Geschichte der Möbel beschäftigst. Du wirst sehr spannende und coole Dinge lernen und deine Möbelstücke noch mehr lieben weil du sie besser kennst. 

Wir wollen schließlich nicht, dass die Shabby Gemeinde in Verruf gerät 😉

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